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💊 Thema der Woche
Medikamente in der Pflege: Was Sie dürfen – und was nicht
Sieben Tabletten am Morgen, drei am Abend – und niemand hat Ihnen erklärt,
was dabei eigentlich Ihre Aufgabe ist
Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen, übernehmen Sie wahrscheinlich
auch die Verantwortung für seine Medikamente. Tabletten richten, Tropfen
abzählen, den Überblick behalten – das klingt nach einer kleinen Aufgabe.
In der Praxis ist es eine der anspruchsvollsten.
Und auf die Sie niemand vorbereitet hat.
Was Sie dürfen – und was nicht
Das dürfen Sie als pflegender Angehöriger:
✓ Medikamente reichen, die ein Arzt verordnet hat –
in der festgelegten Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt
✓ An die Einnahme erinnern und dabei unterstützen
✓ Veränderungen beobachten und den Arzt informieren –
Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Hautausschlag
Das dürfen Sie nicht:
✗ Medikamente eigenständig absetzen oder Dosierungen ändern –
auch keine freiverkäuflichen
✗ Tabletten heimlich ins Essen mischen. Das ist rechtlich
eine Zwangsbehandlung und nach § 1831 BGB verboten –
selbst mit Zustimmung eines Bevollmächtigten
✗ Injektionen oder Insulinspritzen geben –
das ist Aufgabe des Pflegedienstes oder geschulter Personen
Wechselwirkungen im Alltag: Worauf Sie achten sollten
Manche Kombinationen, die harmlos wirken, können problematisch sein.
Hier die häufigsten im Pflegealltag:
Grapefruitsaft und viele Herzmedikamente
Grapefruitsaft blockiert ein Enzym, das viele Medikamente abbaut.
Das kann die Wirkstoffmenge im Blut verdoppeln oder verdreifachen –
mit ernsthaften Folgen. Betrifft unter anderem bestimmte Cholesterin-
und Blutdruckmittel. Fragen Sie Ihren Apotheker, welche Medikamente
Ihres Angehörigen betroffen sind.
Blutverdünner und Schmerzmittel
Wer Marcumar oder ähnliche Präparate nimmt, sollte kein Aspirin
oder Ibuprofen einnehmen – auch nicht bei gelegentlichen Kopfschmerzen.
Das Blutungsrisiko steigt erheblich.
Als Alternative eignet sich Paracetamol – aber auch das immer vorher
mit dem Arzt abstimmen.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Kleinigkeit
Johanniskraut, Omega-3-Präparate, Vitamin K – viele dieser Mittel
wirken auf die gleichen Stoffwechselwege wie verschreibungspflichtige
Medikamente. Bringen Sie beim nächsten Arzttermin wirklich alles mit,
was Ihr Angehöriger täglich nimmt – auch Nahrungsergänzungsmittel.
Fachleute nennen das den „Brown-Bag-Review."
Praxistipp:
Die Priscus-Liste enthält 177 Wirkstoffe, die für ältere Menschen
als potenziell ungeeignet gelten. Fragen Sie Ihren Apotheker,
ob eines der Medikamente Ihres Angehörigen darauf steht –
und ob es besser verträgliche Alternativen gibt.
Im vollständigen Artikel: Richtige Lagerung, Hilfsmittel für
die Medikamentengabe und was bei Verweigerung zu tun ist.
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