Pflegekompass – Ausgabe #03 · 19. März 2026

Ausgabe #03 · 19. März 2026

Willkommen beim Pflegekompass

Der Pflegekompass ist ein wöchentlicher Newsletter für pflegende Angehörige und pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Jeden Mittwoch liefern wir Ihnen verständliche Informationen zu Ihren Ansprüchen, praktische Tipps für den Pflegealltag – und einen ehrlichen Blick auf das, was viele in dieser Situation bewegt.

Kein Amtsdeutsch. Keine leeren Versprechen. Nur das, was wirklich hilft.

Diese Ausgabe:

💊  Medikamente in der Pflege – was Sie dürfen und was nicht
⚠️  Zu viele Tabletten: Ein Risiko, das kaum jemand kennt
📋  Ihr Recht auf den Medikationsplan – ab 3 Medikamenten kostenlos
💭  Gedanke der Woche: Die stille Verantwortung
📖  Drei weitere Ratgeber aus dem Magazin


💊 Thema der Woche

Medikamente in der Pflege: Was Sie dürfen – und was nicht

Sieben Tabletten am Morgen, drei am Abend – und niemand hat Ihnen erklärt, was dabei eigentlich Ihre Aufgabe ist

Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen, übernehmen Sie wahrscheinlich auch die Verantwortung für seine Medikamente. Tabletten richten, Tropfen abzählen, den Überblick behalten – das klingt nach einer kleinen Aufgabe. In der Praxis ist es eine der anspruchsvollsten.

Und auf die Sie niemand vorbereitet hat.

Was Sie dürfen – und was nicht

Das dürfen Sie als pflegender Angehöriger:

✓  Medikamente reichen, die ein Arzt verordnet hat – in der festgelegten Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt

✓  An die Einnahme erinnern und dabei unterstützen

✓  Veränderungen beobachten und den Arzt informieren – Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Hautausschlag

Das dürfen Sie nicht:

✗  Medikamente eigenständig absetzen oder Dosierungen ändern – auch keine freiverkäuflichen

✗  Tabletten heimlich ins Essen mischen. Das ist rechtlich eine Zwangsbehandlung und nach § 1831 BGB verboten – selbst mit Zustimmung eines Bevollmächtigten

✗  Injektionen oder Insulinspritzen geben – das ist Aufgabe des Pflegedienstes oder geschulter Personen

Wechselwirkungen im Alltag: Worauf Sie achten sollten

Manche Kombinationen, die harmlos wirken, können problematisch sein. Hier die häufigsten im Pflegealltag:

Grapefruitsaft und viele Herzmedikamente

Grapefruitsaft blockiert ein Enzym, das viele Medikamente abbaut. Das kann die Wirkstoffmenge im Blut verdoppeln oder verdreifachen – mit ernsthaften Folgen. Betrifft unter anderem bestimmte Cholesterin- und Blutdruckmittel. Fragen Sie Ihren Apotheker, welche Medikamente Ihres Angehörigen betroffen sind.

Blutverdünner und Schmerzmittel

Wer Marcumar oder ähnliche Präparate nimmt, sollte kein Aspirin oder Ibuprofen einnehmen – auch nicht bei gelegentlichen Kopfschmerzen. Das Blutungsrisiko steigt erheblich. Als Alternative eignet sich Paracetamol – aber auch das immer vorher mit dem Arzt abstimmen.

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Kleinigkeit

Johanniskraut, Omega-3-Präparate, Vitamin K – viele dieser Mittel wirken auf die gleichen Stoffwechselwege wie verschreibungspflichtige Medikamente. Bringen Sie beim nächsten Arzttermin wirklich alles mit, was Ihr Angehöriger täglich nimmt – auch Nahrungsergänzungsmittel. Fachleute nennen das den „Brown-Bag-Review."

Praxistipp: Die Priscus-Liste enthält 177 Wirkstoffe, die für ältere Menschen als potenziell ungeeignet gelten. Fragen Sie Ihren Apotheker, ob eines der Medikamente Ihres Angehörigen darauf steht – und ob es besser verträgliche Alternativen gibt.

Zum vollständigen Ratgeber →

Im vollständigen Artikel: Richtige Lagerung, Hilfsmittel für die Medikamentengabe und was bei Verweigerung zu tun ist.


⚠️ Wussten Sie das?

Ab 5 Medikamenten wird es unberechenbar

Über 40 % der über 65-Jährigen nehmen fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig. Ab dieser Zahl lässt sich laut Deutscher Gesellschaft für Allgemeinmedizin nicht mehr zuverlässig vorhersagen, wie die Substanzen miteinander interagieren.

Das liegt oft an der sogenannten Verschreibungskaskade: Medikament A verursacht eine Nebenwirkung. Die wird als neues Symptom gedeutet. Dafür wird Medikament B verordnet – dessen Nebenwirkung führt zu Medikament C. Und so weiter. Verschiedene Ärzte behandeln unabhängig voneinander, keiner hat den Gesamtüberblick.

Ein jährlicher Medikamenten-Check beim Hausarzt kann unnötige Präparate aufdecken. Die Frage, die viele Angehörige scheuen, ist dabei oft die wichtigste: „Ist dieses Medikament noch nötig? Was passiert, wenn es wegfällt?"

Ratgeber Polypharmazie lesen →

📋 Ihr Recht

Der Medikationsplan – kostenlos, gesetzlich verankert, selten genutzt

Ab drei gleichzeitig verordneten Medikamenten haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf einen kostenlosen Medikationsplan vom Arzt – geregelt in § 31a SGB V. Der Plan dokumentiert alle Medikamente mit Dosierung, Einnahmezeit und Hinweisen auf einem einzigen Blatt.

Wofür der Medikationsplan im Pflegealltag nützt:

✓  Sicherheit bei der Medikamentengabe – kein Rätseln mehr, was wann in welcher Dosis
✓  Schutz vor Wechselwirkungen, wenn ein neuer Arzt etwas verordnet
✓  Im Notfall: Rettungsdienst und Klinik wissen sofort Bescheid
✓  Grundlage für den ambulanten Pflegedienst – ein veralteter Plan führt zu falscher Pflege

Viele Pflegebedürftige haben diesen Plan nicht – oder er ist hoffnungslos veraltet. Fragen Sie beim nächsten Hausarzttermin einfach danach. Es ist Ihr Recht.

Alles zum Medikationsplan →

💭 Gedanke der Woche

Die stille Verantwortung

Es gibt Aufgaben in der Pflege, über die man nicht viel redet. Das Essen kochen, die Wohnung sauber halten, beim Duschen helfen – das sehen andere. Aber die Tabletten. Die Dosierungen. Das leise Nachzählen, ob wirklich alles gestimmt hat. Die Sorge, wenn man sich nicht mehr sicher ist.

Das trägt man meistens allein.

Niemand sieht die Minuten, die man damit verbringt, Beipackzettel zu lesen. Niemand fragt, ob man überhaupt weiß, was die Medikamente machen – und was passiert, wenn man etwas falsch macht. Diese Verantwortung ist real. Und sie ist schwer. Es ist richtig, sie ernst zu nehmen.

Wenn Sie Fragen zu den Medikamenten Ihres Angehörigen haben – Ihr Apotheker ist eine oft unterschätzte Anlaufstelle. Eine Medikationsberatung ist kostenlos, anonym möglich und dauert meist nicht länger als 15 Minuten.

Auf Instagram teilen wir kurze Einordnungen, Erinnerungen an Fristen und Momente aus dem Pflegealltag, über die sonst kaum jemand spricht. Wenn Sie dort sind: Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen.

Pflegekompass auf Instagram →

📖 Aus dem Magazin

Falls Sie diese noch nicht kennen

Drei weitere Ratgeber, die viele Fragen aus dem Pflegealltag beantworten.

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Warum pflegebedürftige Menschen Medikamente und Hilfe verweigern – und 5 Strategien, die funktionieren.

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Pflege ist kein Sprint. Und auf diesem Weg sollte niemand allein gehen müssen.

Wir freuen uns, dass Sie dabei sind.
Das Pflegekompass-Team

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