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😰 Thema der Woche
Wenn Angst den Alltag übernimmt
Panikattacken und Angststörungen bei Pflegebedürftigen –
was dahinter steckt und was Sie konkret tun können
Wichtig:
Bei akuten Panikattacken mit Brustschmerzen oder Atemnot rufen Sie
im Zweifel den Notruf 112 – die Symptome können einem Herzinfarkt ähneln.
Es passiert aus heiterem Himmel. Ihr Angehöriger sitzt am Tisch,
und plötzlich wird er blass. Herzrasen. Atemnot. Er greift sich an
die Brust. Im Krankenhaus sagt man Ihnen: Keine körperliche Ursache.
Es war eine Panikattacke.
Oder es ist weniger dramatisch, aber nicht weniger belastend:
Ihr Angehöriger traut sich nicht mehr aus dem Bett.
Die Angst zu stürzen, die Angst, dass etwas passiert –
sie bestimmt den gesamten Alltag. Beides sind Formen von Angststörungen.
Und beide sind häufiger, als die meisten denken.
Wie verbreitet sind Angststörungen im Alter?
Laut Robert Koch-Institut hatten rund 16 % der
über 60-Jährigen in Deutschland eine Angststörung –
nach Demenz und Depression die dritthäufigste psychische Erkrankung im Alter.
Trotzdem wird sie systematisch unterschätzt: Symptome werden als
„normales Altern" abgetan, von Betroffenen nicht angesprochen,
von Ärzten übersehen.
Bei Pflegebedürftigen verschärft sich das noch. Der Verlust von
Selbstständigkeit, die Abhängigkeit von anderen, die stille Angst,
zur Last zu fallen – das alles kann bestehende Ängste verstärken
oder neue auslösen.
Vier Formen, die Sie kennen sollten
1. Generalisierte Angststörung
Ständige, schwer kontrollierbare Sorgen um Gesundheit, Geld, Familie.
Führt zu dauerhafter Anspannung und Schlafstörungen. Die Betroffenen
wissen oft selbst, dass die Sorgen übertrieben sind – können aber
nicht aufhören.
2. Panikattacken
Plötzliche, intensive Angst – Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Taubheitsgefühle.
Dauert typischerweise 5–20 Minuten. Tückisch bei älteren Menschen:
Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, was zu häufigen
Notaufnahme-Besuchen führt – und zum Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.
3. Sturzangst
Nach einem Sturz – manchmal auch ohne – entwickelt sich panische Angst
vor erneutem Fallen. Der Betroffene bewegt sich immer weniger,
die Muskeln bauen ab, das Sturzrisiko steigt dadurch erst recht.
Ein Teufelskreis, der sich ohne Eingreifen selten von selbst auflöst.
4. Angst vor dem Tod
Weniger als Panik, mehr als stille Schwere. Viele Pflegebedürftige
tragen diese Angst, sprechen sie aber nicht aus –
weil sie niemanden belasten wollen.
Was Sie bei einer akuten Panikattacke tun können
1. Ruhig bleiben – Ihre Haltung überträgt sich
Panik ist ansteckend. Wenn Sie nervös werden, verstärkt das die Angst
Ihres Angehörigen. Setzen Sie sich auf Augenhöhe, sprechen Sie langsam
und ruhig. Sie müssen nichts erklären oder lösen – Ihre Präsenz reicht.
2. Nicht allein lassen – aber auch nicht drängen
Bleiben Sie da. Vermeiden Sie Sätze wie „Reiß dich zusammen"
oder „Das ist doch nicht so schlimm." Das ist nicht böswillig gemeint –
wirkt aber wie eine Abweisung. Besser: „Ich bin hier. Es geht vorbei."
3. Atemübung anleiten – sanft, nicht fordernd
Atmen Sie selbst hörbar langsam und tief ein und aus.
Viele Betroffene ahmen das unbewusst nach.
Falls möglich: „Versuch mal, mit mir zusammen zu atmen.
Einatmen… und ausatmen." Nicht einfordern, nur anbieten.
4. Danach: mit dem Hausarzt sprechen
Eine einzelne Panikattacke kann ein Ausreißer sein.
Wenn sie sich wiederholen oder die Angst den Alltag einschränkt,
ist das ein Gesprächsthema für den Arzt.
Angststörungen im Alter sind behandelbar – mit Therapie,
manchmal mit Medikamenten, oft schon mit gezielter Unterstützung.
Im vollständigen Artikel: Langfristige Strategien, Therapieoptionen
und wann Medikamente helfen können.
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