Kurzantwort: Deutschland hat ein gestaffeltes System aus Krisendiensten. Welcher passt, hängt von der Situation ab.
- Akute Krise (24h): Telefonseelsorge 0800 111 0 111 — kostenfrei, anonym.
- Depression — Beratung: Info-Telefon Depression 0800 33 44 533 (Stiftung DDH).
- Hausbesuch nötig: Sozialpsychiatrischer Dienst beim Gesundheitsamt.
- Akute Lebensgefahr: 112 (Rettungsdienst) oder psychiatrische Notaufnahme.
- Pflegebedürftig + depressiv: Pflegestützpunkt, Pflegeberatung, ambulanter psychiatrischer Pflegedienst.

Hotline-Verzeichnis im Überblick
Die folgende Tabelle listet alle wichtigen Krisendienste mit Telefonnummer, Zeiten, Zielgruppe und Kosten. Alle in der Tabelle genannten Dienste sind kostenfrei für den Anrufenden.
| Krisendienst | Telefon | Zeiten | Zielgruppe | Anonym |
|---|---|---|---|---|
| Telefonseelsorge | 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 | 24h, 365 Tage | Jeder in Krise | Ja |
| Info-Telefon Depression | 0800 33 44 533 | Mo/Di/Do 13-17 Uhr, Mi/Fr 8.30-12.30 Uhr | Depression, Beratung | Ja |
| Silbernetz | 0800 4 70 80 90 | Täglich 8-22h | Ältere, einsame Menschen | Ja |
| Elterntelefon (Nummer gegen Kummer) | 0800 111 0 550 | Mo-Fr 9-11 Uhr UND Di+Do 17-19 Uhr | Eltern | Ja |
| Sucht- und Drogen-Hotline (BzgA) | 01806 313 031 | Mo-Do 10-22 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr | Sucht (auch im Alter) — kostenpflichtig (0,20 €/Anruf aus Festnetz, max. 0,60 €/Min Mobilfunk) | Nein |
| Pflegetelefon BMFSFJ | 030 20 17 91 31 | Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 9-12 Uhr | Pflegende Angehörige | Ja |
| 116 117 (KV-Bereitschaft) | 116 117 | 24h | Ärztliche Bereitschaft | Nein |
| Rettungsdienst | 112 | 24h | Akute Lebensgefahr | Nein |
Telefonseelsorge — die erste Adresse
Die Telefonseelsorge ist seit über 60 Jahren die bundesweite Anlaufstelle für Menschen in Lebenskrisen. Getragen wird sie ökumenisch von evangelischer und katholischer Kirche, finanziert aus Kirchensteuern und Spenden. Anrufende zahlen nichts.
Was wird geboten
- 24-Stunden-Erreichbarkeit: 365 Tage im Jahr, auch an Feiertagen.
- Kostenfrei: Auch über Mobilfunk.
- Anonym: Keinerlei Daten erforderlich. Keine Rückrufmöglichkeit, keine Aktenbildung.
- Vertraulich: Strenge Schweigepflicht.
- Mehrsprachig: Mehrere Stellen bieten fremdsprachige Beratung (Englisch, Türkisch, Russisch — über die Webseite suchbar).
- Auch online: Mail- und Chat-Beratung über telefonseelsorge.de.
Wer beraten wird
Jeder. Es gibt keine Auswahlkriterien. Auch ältere Menschen, Pflegende, Angehörige nach Suizid (Hinterbliebene) finden hier ein offenes Ohr. Geschulte ehrenamtliche und hauptamtliche Beraterinnen und Berater hören zu, helfen sortieren, geben Hinweise auf weitere Hilfsangebote — aber zwingen nichts auf.
Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist die zentrale gemeinnützige Stiftung in Deutschland, die sich der Aufklärung über und der Verbesserung der Versorgung bei Depression widmet. Ihr Info-Telefon richtet sich an Betroffene und Angehörige.
Was wird geboten
- Beratung zu Diagnose und Behandlung der Depression.
- Vermittlung in regionale Hilfsangebote.
- Information zu Selbsthilfegruppen.
- Auskünfte für Angehörige.
- Keine Akutkrise-Beratung — dafür Telefonseelsorge.
Erreichbarkeit
Telefon 0800 33 44 533, Mo/Di/Do 13-17 Uhr, Mi/Fr 8.30-12.30 Uhr. Kostenfrei. Webseite: deutsche-depressionshilfe.de.
Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi)
Die Sozialpsychiatrischen Dienste sind kommunale Einrichtungen, die bei den Gesundheitsämtern der Landkreise und kreisfreien Städte angesiedelt sind. Sie sind eine besonders wichtige Adresse für ältere Menschen — weil sie Hausbesuche anbieten.
Was wird geboten
- Kostenlose Beratung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen.
- Hausbesuche bei nicht mobilen oder versorgungsproblematischen Patienten.
- Vermittlung in stationäre Behandlung, ambulante Psychiatrie, sozialpsychiatrische Hilfen.
- Krisenintervention vor Ort.
- Bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung: ggf. Einleitung einer Unterbringung nach PsychKG/UBG (länderspezifisch).
Erreichbarkeit
Über das jeweilige Gesundheitsamt der Stadt oder des Landkreises. Nummer über das Bürgertelefon 115 erfragen — bundesweit einheitliche Servicenummer der Verwaltung. Werktags erreichbar, oft 8-15 Uhr; Wartezeiten möglich.
Krisendienste der Bundesländer
Mehrere Bundesländer haben eigene Krisendienste aufgebaut, die teilweise auch außerhalb der Bürozeiten erreichbar sind und mobile Einsätze fahren. Auswahl:
| Bundesland | Krisendienst | Telefon | Zeiten |
|---|---|---|---|
| Bayern | Krisendienste Bayern | 0800 655 3000 | 24h |
| Berlin | Berliner Krisendienst | 030 39063-00 bis -90 (regional) | Tägl. 16-24h, Mi+Sa 8-24h |
| Hamburg | Sozialpsychiatrischer Krisendienst | Bezirksamt-Vermittlung | Werktags + Wochenenddienste |
| NRW (Köln, Bonn, Essen u. a.) | Krisendienste in Großstädten | Stadt-spezifisch | Oft 24h |
| Niedersachsen | Sozialpsychiatrische Verbünde | Landkreis-spezifisch | Werktags |
Eine vollständige Liste pflegt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe — die regionale Anlaufstelle findet sich am schnellsten über die Webseite oder das Info-Telefon.
Spezielle Anlaufstellen für Senioren
Silbernetz
Speziell für ältere, einsame Menschen eingerichtet. Telefon 0800 4 70 80 90, täglich 8-22 Uhr. Kostenfrei. Hauptthema: Einsamkeit. Bei depressiver Erkrankung wird zur Behandlung weitervermittelt.
Caritas, Diakonie, AWO, Paritätischer
Die Wohlfahrtsverbände unterhalten bundesweit Beratungsstellen — kostenfrei, oft mit Hausbesuch. Für Senioren mit psychischen Erkrankungen besonders relevant:
- Caritas: caritas.de — Beratungsstellensuche
- Diakonie: diakonie.de — Beratungsangebote
- AWO: awo.org — Beratung und Pflege
- Paritätischer: der-paritaetische.de
Pflegestützpunkte und Pflegeberatung
Nach § 7a SGB XI hat jeder Pflegebedürftige und jeder Angehörige Anspruch auf kostenfreie Pflegeberatung durch die Pflegekasse. Daneben gibt es bundesweit Pflegestützpunkte (gemeinsame Stellen von Pflegekassen, Sozialhilfeträgern und Kommunen). Sie beraten zu Pflegegrad, Leistungen, Vermittlung in ambulante Versorgung — auch bei psychischen Erkrankungen wichtig. Mehr Details: Pflegegrad-Tabelle 2026.
Ambulanter psychiatrischer Pflegedienst (APP)
Vom Hausarzt verordnungsfähig (§ 37 Abs. 2 SGB V). Geschulte Pflegekräfte besuchen Patienten zu Hause, koordinieren Medikamenten-Compliance, begleiten zu Arztterminen, schulen Angehörige. Bei chronisch psychisch erkrankten Senioren wichtig — auch zur Sicherung der ambulanten Versorgung.
Bei akuter Lebensgefahr — was tun?
Wenn ein älterer Mensch akute Suizidgedanken äußert oder ein konkretes Suizidvorhaben offenbart: 112 rufen. Der Rettungsdienst kommt zum Notfallort. Bei nicht akuter Suizidalität, aber schwerer Krise: psychiatrische Notaufnahme der nächsten Klinik direkt aufsuchen.
Wichtige Hinweise:
- Betroffene Person nicht allein lassen.
- Mittel der Selbstgefährdung (Medikamente, Waffen) aus dem Zugriff nehmen, wenn möglich.
- Ruhig bleiben. Keine Diskussion über „den Sinn des Lebens“.
- Nähere Informationen zur Krisenkommunikation im Spezial-Ratgeber Suizid im Alter 2026.
„Bei Altersdepression scheitert Hilfe oft am ersten Anruf. Dabei sind die wichtigsten Nummern kostenfrei und 24 Stunden erreichbar. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Anruf 'angemessen' ist: Telefonseelsorge ist genau dafür da — auch für alle, die nur sortieren wollen, was los ist.“
Hilfe für Angehörige
Angehörige psychisch erkrankter älterer Menschen tragen häufig eine doppelte Last: die Sorge um den Erkrankten und die eigene Belastung durch Pflege und Verantwortung. Anlaufstellen:
- BApK — Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen: regionale Selbsthilfegruppen, Beratung, Schulungen. Webseite: bapk.de.
- NaKoS — Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen: nakos.de.
- Pflegekurse der Pflegekassen (kostenfrei nach § 45 SGB XI) — auch zu psychischen Erkrankungen.
- AGUS e. V. — Angehörige um Suizid: Selbsthilfeverband für Hinterbliebene nach Suizid. agus-selbsthilfe.de.
- Vertiefung im Spezial-Ratgeber Pflegende Angehörige — Depression und Burnout.
Häufige Fragen zu Krisendiensten
Welche Hotline ist 24 Stunden erreichbar?
Telefonseelsorge (0800 111 0 111 / 0800 111 0 222), Krisendienste Bayern (0800 655 3000), KV-Bereitschaft (116 117), Rettungsdienst (112).
Was kostet eine Krisenberatung?
Alle in diesem Ratgeber genannten Krisendienste sind für Anrufende kostenfrei. Auch Sozialpsychiatrische Dienste, Pflegestützpunkte und psychiatrische Notaufnahmen.
Gibt es Hilfe speziell für Senioren?
Ja: Silbernetz (0800 4 70 80 90, tägl. 8-22h), Caritas/Diakonie/AWO-Senioren-Beratung, Pflegestützpunkte, Sozialpsychiatrische Dienste mit Hausbesuchen.
Wer hilft, wenn ein Angehöriger Hilfe verweigert?
Hausarzt (Hausbesuch möglich), Sozialpsychiatrischer Dienst (kostenfreier Hausbesuch), Telefonseelsorge (auch für Angehörige). Bei akuter Eigengefährdung: Unterbringung nach PsychKG/UBG — Ultima Ratio über 112.
Sind die Beratungen anonym?
Telefonseelsorge: vollständig anonym, keine Speicherung. Info-Telefon Depression: anonym möglich. Sozialpsychiatrische Dienste: Akte, aber Schweigepflicht. Hausarzt: Schweigepflicht, aber Akte.
Welche Krisendienste machen Hausbesuche?
Sozialpsychiatrische Dienste (Gesundheitsamt), psychiatrische Krisendienste der Bundesländer (z. B. Bayern, Berlin, NRW), ambulante psychiatrische Pflegedienste (per Hausarzt- Verordnung), Rettungsdienst (112) bei akuten Notfällen.
Wo finde ich regionale Angebote?
Stiftung Deutsche Depressionshilfe pflegt eine Datenbank: deutsche-depressionshilfe.de. Daneben: Bürgertelefon 115 (bundesweite Verwaltungs-Servicenummer), Webseiten der Gesundheitsämter und der Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, AWO).
Zusammenfassung
Deutschland hat ein dichtes Netz an Krisendiensten — das Problem ist meist nicht die Existenz, sondern die Bekanntheit. Telefonseelsorge (0800 111 0 111) ist 24 Stunden kostenfrei erreichbar — für jede Lebenskrise, ohne Auswahlkriterium. Das Info-Telefon Depression (0800 33 44 533) berät zu Behandlung. Bei Hausbesuch-Bedarf: Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamts. Bei akuter Lebensgefahr: 112.
Für Senioren besonders relevant: Silbernetz, Pflegestützpunkte, ambulanter psychiatrischer Pflegedienst. Für Angehörige: BApK, AGUS, Pflegekurse der Kassen.
Wer unsicher ist, ob ein Anruf „angemessen“ ist: Telefonseelsorge ist genau dafür da — auch fürs Sortieren.
Weiterführend: Altersdepression Zahlen 2026, Suizid im Alter 2026, Depression bei Pflegebedürftigen, Frühwarnzeichen für Angehörige, Pflegende Angehörige — Depression, Tipps für Angehörige.
Quellen und Hinweise
- Telefonseelsorge Deutschland
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe
- Silbernetz e. V.
- BApK — Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
- AGUS e. V. — Angehörige um Suizid
- Bundesgesundheitsministerium (BMG) — Pflegetelefon
- Kassenärztliche Bundesvereinigung — KV-Bereitschaft 116 117
- Bürgertelefon 115 — bundesweite Verwaltungs-Servicenummer
Stand: Mai 2026. Telefonnummern, Zeiten und Zuständigkeiten können sich kurzfristig ändern. Bitte bei Bedarf über die Webseiten oder das Bürgertelefon 115 verifizieren. Bei akuter Lebensgefahr immer 112 — der Rettungsdienst kommt zu jedem Notfall, auch bei psychischen Krisen. Dieser Artikel ist eine Übersicht und ersetzt keine ärztliche Beratung.
