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Pflegekompass
PflegetippsEingereichte Frage
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Frontotemporale Demenz (FTD) — gibt es auch hier verschiedene Phasen?

P
Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 08. Mai 2026 um 04:15

Sehr interessant. Wie sieht es bei der FTD aus, hat die auch verschiedene Phasen? Ein angeheiratetes Familienmitglied ist womöglich daran erkrankt.

1 Antwort

Maria
MariaExperte

Fachärztin für Altersmedizin

Geantwortet vor 23 Std.

Ja, die frontotemporale Demenz (FTD) verläuft ebenfalls in Phasen — allerdings anders als die Alzheimer-Demenz. Das Gedächtnis bleibt lange relativ erhalten, stattdessen stehen Persönlichkeit, Verhalten und Sprache im Vordergrund. Das macht die Erkrankung im Alltag oft besonders belastend, weil Angehörige die Veränderungen anfangs als „Charakterwandel" und nicht als Krankheit erleben. Grob lassen sich drei Phasen unterscheiden: Frühstadium (oft 1–3 Jahre): - Persönlichkeitsveränderung: Distanzlosigkeit, Taktlosigkeit, Enthemmung oder umgekehrt Apathie und Antriebslosigkeit - Nachlassendes Einfühlungsvermögen, sozialer Rückzug, manchmal zwanghafte Rituale - Bei der sprachbetonten Variante (primär progressive Aphasie): Wortfindungsstörungen, vereinfachte Sätze - Gedächtnis und Orientierung meist noch weitgehend intakt — deshalb wird FTD häufig zunächst als Depression, Burnout oder Beziehungsproblem fehlgedeutet Mittleres Stadium: - Verhaltensauffälligkeiten verstärken sich: Heißhunger auf Süßes, stereotype Bewegungen, planloses Verhalten - Urteilsvermögen geht verloren, finanzielle Fehlentscheidungen häufen sich - Sprache wird zunehmend reduziert, teils Mutismus - Erste Probleme bei komplexen Alltagsaufgaben (Behördengänge, Haushalt) Spätstadium: - Starke Pflegebedürftigkeit, ähnlich wie bei anderen Demenzformen - Schluckstörungen, Inkontinenz, Bettlägerigkeit - Gedächtnis ist nun ebenfalls deutlich beeinträchtigt - Häufige Todesursachen: Pneumonie, Komplikationen durch Immobilität FTD beginnt typischerweise früher als Alzheimer — viele Betroffene sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Die Gesamtdauer liegt im Schnitt bei 8–12 Jahren, kann aber stark variieren. Praktisch wichtig für die Familie: - Frühzeitig Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung regeln, solange die Geschäftsfähigkeit noch gegeben ist - Diagnose unbedingt in einer spezialisierten Gedächtnisambulanz oder neurologischen Klinik sichern lassen — FTD wird in der Hausarztpraxis oft übersehen - Pflegegrad-Antrag früh stellen, weil Verhaltensauffälligkeiten in Modul 3 (psychische Problemlagen) und Modul 2 (Kognition) zählen — auch wenn die Mobilität noch gut ist - Selbsthilfe: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat eine eigene FTD-Angehörigengruppe, das entlastet enorm Diese Auskunft ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung — der nächste Schritt sollte die Vorstellung in einer Memory-Clinic sein.
Fachärztliche Prüferin für Altersmedizin, Mobilität und körperliche Gesundheit im Alter.Zum Profil
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