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Pflegekompass
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Welche Pflegesysteme in Europa funktionieren besser als das deutsche?

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Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 06. Juni 2026 um 04:15

Blick über den Tellerrand

1 Antwort

Daniel Lepper
Daniel LepperExperte

Pflegefachkraft außerklinische Intensivpflege

Geantwortet vor 3 Std.

TITEL: Wie ist Pflege im Ausland organisiert im Vergleich zu Deutschland? ANTWORT: Spannende Perspektive — und tatsächlich lohnt der Vergleich, weil das deutsche System eine Mischform ist, die anderswo so kaum existiert. Die Nachbarn machen es teils sehr anders: - Niederlande: Pflege läuft über die WLZ (Wet langdurige zorg), steuer- und beitragsfinanziert. Pflegekräfte verdienen besser, das Buurtzorg-Modell mit selbstorganisierten Quartiers-Pflegeteams gilt international als Vorbild für weniger Bürokratie. - Skandinavien (Schweden, Dänemark): kommunal organisiert, steuerfinanziert, kein Pflegegrad-System wie hier. Angehörige werden weniger stark eingespannt, dafür höhere Steuerlast. - Österreich: ähnlich wie Deutschland mit Pflegegeld in 7 Stufen, aber bundeseinheitlich aus Steuermitteln statt aus Beiträgen. Seit 2018 kein Pflegeregress mehr — Kinder müssen nicht für Heimkosten der Eltern haften, anders als bei uns (Elternunterhalt erst ab 100.000 Euro Jahresbrutto, § 94 SGB XII). - Japan: eigene Pflege-Pflichtversicherung ab 40, stark auf Prävention und Reha ausgerichtet, weniger auf Geldleistung. Was Deutschland strukturell schwächt: die Trennung zwischen Kranken- und Pflegeversicherung, der Teilleistungs-Charakter (Pflegekasse zahlt nie alles, Eigenanteile im Heim 2026 im Schnitt über 2.900 Euro/Monat) und die starke Last auf pflegenden Angehörigen — rund 4,8 Millionen Menschen pflegen zuhause, oft unbezahlt. Was hier strukturell besser ist: das Wahlrecht zwischen Geld- und Sachleistung, die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege als flexibles Budget (gemeinsam 3.539 Euro/Jahr) und der niedrigschwellige, formlose Pflegegrad-Antrag. Wer tiefer einsteigen will: die Bertelsmann-Stiftung und das ZQP (Zentrum für Qualität in der Pflege) veröffentlichen regelmäßig Ländervergleiche. Das Bundesgesundheitsministerium hat zur PUEG-Reform 2023 ebenfalls Vergleichsdaten zusammengestellt.
Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit 15+ Jahren Erfahrung in der Intensiv- und häuslichen Pflege.Zum Profil
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