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Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

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Gefragt 20. April 2026 um 10:27

Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

1 Antwort

Tobias
TobiasExperte

Experte für Pflegerecht

Geantwortet vor 3 Tagen

Hallo, einen Pflegegrad zu beantragen klingt erstmal komplizierter, als es tatsächlich ist. Ich führe dich Schritt für Schritt durch den Ablauf: 1. Antrag bei der Pflegekasse stellen Die Pflegekasse ist immer bei deiner Krankenkasse angesiedelt – also z. B. AOK, TK, Barmer, DAK etc. Den Antrag kannst du auf drei Wegen stellen: Telefonisch (einfachster Weg – einfach anrufen und sagen: „Ich möchte einen Pflegegrad beantragen") Schriftlich (formloses Schreiben reicht: Name, Versicherungsnummer, Geburtsdatum, Datum, Unterschrift – „Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung.") Online über die Website oder App der Krankenkasse Wichtig: Der Tag des Antragseingangs zählt! Ab diesem Tag wird später rückwirkend gezahlt. Also lieber heute als morgen stellen. 2. Unterlagen von der Pflegekasse abwarten Du bekommst innerhalb weniger Tage ein Antragsformular zugeschickt. Fülle es gewissenhaft aus und sende es zurück. Hier werden Diagnosen, behandelnde Ärzte und die Pflegesituation abgefragt. 3. Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) Ein Gutachter kommt nach Terminvereinbarung zu dir nach Hause. Er prüft nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) in 6 Modulen: Mobilität (z. B. Aufstehen, Treppensteigen) Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Selbstversorgung (Waschen, Anziehen, Essen) Bewältigung krankheitsbedingter Anforderungen (Medikamente, Arzttermine) Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Aus den Punkten ergibt sich der Pflegegrad 1 bis 5. 4. Bescheid von der Pflegekasse Nach ca. 25 Arbeitstagen bekommst du den Bescheid. Bei Überschreitung dieser Frist stehen dir 70 € pro Woche Verzögerung zu (§ 18 Abs. 3b SGB XI). So bereitest du die Begutachtung optimal vor: Pflegetagebuch 1–2 Wochen vorher führen (jeden Tag notieren: wo, wie lange, welche Hilfe) Arztberichte, Medikamentenplan, Krankenhausberichte bereitlegen Eine zweite Person sollte bei der Begutachtung dabei sein (Angehöriger oder Pflegeperson) Nicht schönreden! Viele Betroffene versuchen, sich vor dem Gutachter stark zu zeigen – das ist der größte Fehler. Schildere ehrlich deinen schlechtesten Tag, nicht deinen besten. Alle Einschränkungen ansprechen, auch solche, die dir peinlich sind (z. B. Inkontinenz, Stürze, Orientierungsprobleme) Kostenlose Unterstützung bekommst du bei: Pflegestützpunkt in deiner Region (wohnortnah, neutral, kostenfrei) Sozialverbände wie VdK oder SoVD (kleine Mitgliedsgebühr, dafür auch anwaltliche Vertretung im Widerspruchsfall) Pflegeberatung nach § 7a SGB XI (kostenlos, auf Wunsch bei dir zu Hause) Mein Tipp: Viele Familien stellen den Antrag zu spät. Auch wenn aktuell „nur" etwas Unterstützung nötig scheint – sobald regelmäßig Hilfe im Alltag gebraucht wird, lohnt sich der Antrag. Selbst Pflegegrad 1 bringt dir schon 131 € Entlastungsbetrag im Monat, Zuschüsse für Wohnraumanpassung und kostenlose Pflegehilfsmittel. Nicht aufschieben – der Weg ist einfacher als gedacht, und die Leistungen stehen dir zu. 💙 Alles Gute!
Fachlicher Prüfer für Pflegerecht, Leistungsansprüche und Antragsverfahren nach SGB XI.Zum Profil
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