Ausgabe #03 · 19. März 2026
Willkommen beim Pflegekompass
Der Pflegekompass ist ein wöchentlicher Newsletter für pflegende Angehörige und pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Jeden Mittwoch liefern wir Ihnen verständliche Informationen zu Ihren Ansprüchen, praktische Tipps für den Pflegealltag – und einen ehrlichen Blick auf das, was viele in dieser Situation bewegt.
Kein Amtsdeutsch. Keine leeren Versprechen. Nur das, was wirklich hilft.
💊 Thema der Woche
Medikamente in der Pflege: Was Sie dürfen – und was nicht
Sieben Tabletten am Morgen, drei am Abend – und niemand hat Ihnen erklärt, was dabei eigentlich Ihre Aufgabe ist
Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen, übernehmen Sie wahrscheinlich auch die Verantwortung für seine Medikamente. Tabletten richten, Tropfen abzählen, den Überblick behalten – das klingt nach einer kleinen Aufgabe. In der Praxis ist es eine der anspruchsvollsten.
Und auf die Sie niemand vorbereitet hat.
Was Sie dürfen – und was nicht
Wechselwirkungen im Alltag: Worauf Sie achten sollten
Manche Kombinationen, die harmlos wirken, können problematisch sein. Hier die häufigsten im Pflegealltag:
Grapefruitsaft und viele Herzmedikamente
Grapefruitsaft blockiert ein Enzym, das viele Medikamente abbaut. Das kann die Wirkstoffmenge im Blut verdoppeln oder verdreifachen – mit ernsthaften Folgen. Betrifft unter anderem bestimmte Cholesterin- und Blutdruckmittel. Fragen Sie Ihren Apotheker, welche Medikamente Ihres Angehörigen betroffen sind.
Blutverdünner und Schmerzmittel
Wer Marcumar oder ähnliche Präparate nimmt, sollte kein Aspirin oder Ibuprofen einnehmen – auch nicht bei gelegentlichen Kopfschmerzen. Das Blutungsrisiko steigt erheblich. Als Alternative eignet sich Paracetamol – aber auch das immer vorher mit dem Arzt abstimmen.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Kleinigkeit
Johanniskraut, Omega-3-Präparate, Vitamin K – viele dieser Mittel wirken auf die gleichen Stoffwechselwege wie verschreibungspflichtige Medikamente. Bringen Sie beim nächsten Arzttermin wirklich alles mit, was Ihr Angehöriger täglich nimmt – auch Nahrungsergänzungsmittel. Fachleute nennen das den „Brown-Bag-Review."
Im vollständigen Artikel: Richtige Lagerung, Hilfsmittel für die Medikamentengabe und was bei Verweigerung zu tun ist.
⚠️ Wussten Sie das?
Ab 5 Medikamenten wird es unberechenbar
Über 40 % der über 65-Jährigen nehmen fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig. Ab dieser Zahl lässt sich laut Deutscher Gesellschaft für Allgemeinmedizin nicht mehr zuverlässig vorhersagen, wie die Substanzen miteinander interagieren.
Das liegt oft an der sogenannten Verschreibungskaskade: Medikament A verursacht eine Nebenwirkung. Die wird als neues Symptom gedeutet. Dafür wird Medikament B verordnet – dessen Nebenwirkung führt zu Medikament C. Und so weiter. Verschiedene Ärzte behandeln unabhängig voneinander, keiner hat den Gesamtüberblick.
Ein jährlicher Medikamenten-Check beim Hausarzt kann unnötige Präparate aufdecken. Die Frage, die viele Angehörige scheuen, ist dabei oft die wichtigste: „Ist dieses Medikament noch nötig? Was passiert, wenn es wegfällt?"
📋 Ihr Recht
Der Medikationsplan – kostenlos, gesetzlich verankert, selten genutzt
Ab drei gleichzeitig verordneten Medikamenten haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf einen kostenlosen Medikationsplan vom Arzt – geregelt in § 31a SGB V. Der Plan dokumentiert alle Medikamente mit Dosierung, Einnahmezeit und Hinweisen auf einem einzigen Blatt.
Viele Pflegebedürftige haben diesen Plan nicht – oder er ist hoffnungslos veraltet. Fragen Sie beim nächsten Hausarzttermin einfach danach. Es ist Ihr Recht.
💭 Gedanke der Woche
Die stille Verantwortung
Es gibt Aufgaben in der Pflege, über die man nicht viel redet. Das Essen kochen, die Wohnung sauber halten, beim Duschen helfen – das sehen andere. Aber die Tabletten. Die Dosierungen. Das leise Nachzählen, ob wirklich alles gestimmt hat. Die Sorge, wenn man sich nicht mehr sicher ist.
Das trägt man meistens allein.
Niemand sieht die Minuten, die man damit verbringt, Beipackzettel zu lesen. Niemand fragt, ob man überhaupt weiß, was die Medikamente machen – und was passiert, wenn man etwas falsch macht. Diese Verantwortung ist real. Und sie ist schwer. Es ist richtig, sie ernst zu nehmen.
Auf Instagram teilen wir kurze Einordnungen, Erinnerungen an Fristen und Momente aus dem Pflegealltag, über die sonst kaum jemand spricht. Wenn Sie dort sind: Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen.
📖 Aus dem Magazin
Falls Sie diese noch nicht kennen
Drei weitere Ratgeber, die viele Fragen aus dem Pflegealltag beantworten.
Kennen Sie jemanden, dem diese Ausgabe helfen würde? Leiten Sie sie einfach weiter – an Geschwister, Freunde oder andere Angehörige in ähnlicher Situation.
Pflege ist kein Sprint. Und auf diesem Weg sollte niemand allein gehen müssen.
Wir freuen uns, dass Sie dabei sind.
Das Pflegekompass-Team



