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Demenz: Meine Mutter (93) sucht ihre verstorbene Mutter — wie kommunizieren?

P
Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 19. Mai 2026 um 04:15

Meine Mutter (93) will ihre vor 50 Jahren verstorbene Mutter sehen und anrufen. Sie lässt sich nicht täuschen oder beruhigen. Sie weigert sich ihre Tabletten einzunehmen-da sie sich gesund glaubt und die Tabletten nur mir zuliebe nimmt – solange sie nicht Kontakt zu ihrer Mutter hat. Wie sollte Kommunikation aussehen? Alternativen zur Psychiatrie? Heimunterbringung löst Problem nicht, blendet es nur für Angehörige aus. 2

1 Antwort

Maria
MariaExperte

Fachärztin für Altersmedizin

Geantwortet vor 1 Tag

Das, was Sie beschreiben, ist ein typisches Bild bei mittelgradiger bis fortgeschrittener Demenz: Das autobiografische Gedächtnis schrumpft auf die jungen Erwachsenenjahre zusammen — die Mutter ist in dieser inneren Realität noch am Leben, weil die letzten 50 Jahre nicht mehr abrufbar sind. Sie täuscht sich nicht, sie lebt in einer anderen Zeit. Zur Kommunikation hat sich die Validation nach Naomi Feil bewährt — der fast einzige Ansatz, der bei dieser Konstellation wirklich trägt: - Nicht korrigieren ("Deine Mutter ist tot") — das löst jedes Mal eine frische Trauerreaktion aus, als wäre es das erste Mal. - Nicht erfinden ("Ich rufe sie gleich an") — das hält kurz, untergräbt aber das Vertrauen. - Stattdessen den Gefühlskern aufgreifen: "Du vermisst sie sehr, oder? Erzähl mir von ihr — wie war sie?" Damit wird der Schmerz anerkannt, ohne die Realität aufzuzwingen oder zu verfälschen. - Fotoalbum, alte Gegenstände, Lieder aus ihrer Jugend helfen, das Gefühl von Nähe herzustellen, das sie eigentlich sucht. Zur Medikation: Klären Sie zuerst mit dem Hausarzt, welche Tabletten wirklich kritisch sind (z. B. Antikoagulanzien, Antiepileptika) und welche verhandelbar wären. Manchmal lassen sich Präparate auf Tropfen oder Schmelztabletten umstellen, in Joghurt geben (nicht heimlich — fragen Sie den Apotheker, was teilbar/mörserbar ist), oder zeitlich an einen Moment legen, in dem sie ruhiger ist. Verweigerung ist bei Demenz Teil der Erkrankung, nicht Bosheit. Alternativen zur Psychiatrie: 1. Gerontopsychiatrische Institutsambulanz an größeren Kliniken — ambulante Sprechstunde, kein Klinikaufenthalt. Dort wird geprüft, ob z. B. ein niedrig dosiertes Antidepressivum (gegen die Trauer-Schleife) oder eine Anpassung sinnvoll ist. 2. Hausarzt mit geriatrischer Erfahrung plus Demenz-Fachpflege (ambulanter Pflegedienst mit Schwerpunkt). 3. Tagespflege mit demenzspezifischem Konzept — Tagesstruktur reduziert oft die "Suche" deutlich. 4. Alzheimer-Gesellschaft vor Ort: kostenlose Angehörigenberatung, Gesprächskreise, geschulte Betreuer für Hausbesuche. Stationäre Gerontopsychiatrie ist nicht "Aufbewahrung" — sie kommt nur ins Spiel, wenn Schlaf, Sicherheit oder Eigengefährdung kippen. Bis dahin gibt es viel Spielraum. Diese Auskunft ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung — bitte sprechen Sie die Medikamentenfrage konkret mit dem Hausarzt durch.
Fachärztliche Prüferin für Altersmedizin, Mobilität und körperliche Gesundheit im Alter.Zum Profil
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