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Sind Frauen häufiger von Demenz betroffen als Männer?

P
Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 19. Mai 2026 um 04:15

Sehr spannend! Mich würde interessieren ob Frauen tendenziell häufiger betroffen sind und wenn ja aus welchem Grund? Viele der Personen sind hier ja auch weiblich..

1 Antwort

Maria
MariaExperte

Fachärztin für Altersmedizin

Geantwortet vor 1 Tag

Ja, Frauen sind statistisch deutlich häufiger von Demenz betroffen — etwa zwei Drittel aller Erkrankten in Deutschland sind weiblich. Bei Alzheimer, der häufigsten Demenzform, ist das Verhältnis noch ausgeprägter. Die Gründe sind eine Mischung aus drei Faktoren: - Lebenserwartung: Frauen werden im Schnitt rund 5 Jahre älter als Männer. Da Demenz stark altersabhängig ist (Verdopplung des Risikos etwa alle 5 Jahre ab dem 65. Lebensjahr), häufen sich Erkrankungen schlicht in den hohen Altersgruppen, in denen mehr Frauen leben. - Biologische Faktoren: Der Östrogenabfall nach der Menopause scheint eine Rolle zu spielen. Östrogen hat eine schützende Wirkung auf Nervenzellen und den Glukosestoffwechsel im Gehirn. Auch genetische Risikofaktoren wie das APOE-ε4-Allel wirken sich bei Frauen stärker aus als bei Männern. - Lebensverlauf-Faktoren: Frauen heutiger Hochaltriger hatten seltener Zugang zu höherer Bildung und beruflicher kognitiver Stimulation — beides gilt als protektiv (kognitive Reserve). Diese Generation war zudem oft alleinlebend im Alter, was Diagnose und Versorgung später anlaufen lässt. Wichtig zur Einordnung: Es geht um die absoluten Erkrankungszahlen. Wenn man das Alter herausrechnet (altersstandardisierte Inzidenz), schrumpft der Unterschied deutlich — er verschwindet aber nicht ganz. Es bleibt also ein eigenständiger biologischer Anteil, der noch erforscht wird. Für die Pflegepraxis im Forum bedeutet das: Dass hier viele Töchter, Ehefrauen und Schwiegertöchter ihre demenzkranken Mütter, Schwiegermütter und Großmütter pflegen, spiegelt die Realität gut wider. Hinzu kommt, dass auch die Pflege selbst überwiegend von Frauen geleistet wird — rund 70 Prozent der pflegenden Angehörigen sind weiblich. Männer mit Demenz werden häufiger von ihrer Ehefrau zu Hause versorgt, Frauen mit Demenz dagegen häufiger von Töchtern oder in stationären Einrichtungen, weil der Ehemann oft schon verstorben ist. Diese Auskunft ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung — für eine konkrete Risikoabschätzung lohnt sich das Gespräch mit der hausärztlichen Praxis, gerade wenn familiäre Vorbelastung besteht.
Fachärztliche Prüferin für Altersmedizin, Mobilität und körperliche Gesundheit im Alter.Zum Profil
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