Kurzantwort:Pflegeberatung muss nach § 7a SGB XI kostenlos sein — und sie geht online. Video-Termin bei der Pflegekasse, Anruf beim Bürgertelefon, Chat über die Kassen-App: Alles ohne Anfahrt, ohne Wartezimmer. Der richtige Kanal hängt von der Frage ab.
- Gesetzliche Grundlage:§ 7a SGB XI — Anspruch auf Pflegeberatung, kostenlos
- Bürgertelefon BMG:030 / 340 60 66 - 02, Mo–Do 8–18 Uhr, Fr 8–12 Uhr
- Video bei Pflegekassen: AOK, TK, Barmer, DAK — Termin innerhalb 1–2 Wochen
- Privatversicherte:COMPASS, 0800 / 101 88 00, kostenfrei
- Online ersetzt nicht: MD-Begutachtung, Pflicht-Hausbesuche, Hilfsmittel-Anpassung
Online-Pflegeberatung — die 4 wichtigsten Wege
Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen gibt es vier etablierte Online-Kanäle, die sich in Tiefe, Erreichbarkeit und Zielgruppe unterscheiden.
1. Video-Beratung der Pflegekasse
Die eigene Pflegekasse ist der erste Anlaufpunkt für alle, die ihrem Fall besonderes Gewicht geben. Video-Beratung ist bei den großen Kassen Standard geworden. Der Vorteil gegenüber Telefon: Unterlagen können geteilt, Formulare erklärt und im Gespräch gemeinsam ausgefüllt werden.
Wartezeiten für einen Video-Termin liegen meist bei 1–2 Wochen. Die Beratung ist an den konkreten Versicherungsfall gebunden — die Beraterin kennt die individuelle Pflegekassen-Situation.
2. Telefon-Hotline (Bürgertelefon BMG, COMPASS, kassenintern)
Für schnelle Einzelfragen ist der Telefonkanal oft das schnellste Mittel. Das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums ist neutral und ohne Voranmeldung erreichbar. Kassen-interne Hotlines sind in der Regel über die reguläre Service-Nummer zugänglich.
3. E-Mail und Chat (manche Kassen)
Einige Kassen bieten asynchrone Beratung per Secure Messenger oder verschlüsselter E-Mail innerhalb des Kunden-Portals. Geeignet für dokumentationspflichtige Anfragen oder wenn kein Gespräch gewünscht ist. Antwortzeiten: 1–3 Werktage.
4. Online-Sprechstunden bei Pflegestützpunkten
Pflegestützpunkte sind kassenunabhängig und beraten neutral — auch zu Leistungen verschiedener Kassen und Versicherungsformen. Viele Stützpunkte bieten seit 2021 Video-Sprechstunden an, teils auch für laufende Begleitung über mehrere Monate.
Den nächsten Pflegestützpunkt finden und Termine buchen: unser Ratgeber Pflegestützpunkte finden.
Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums
Das Bürgertelefon ist die neutralste und direkteste Online-Beratungsmöglichkeit — kein Login, keine Versichertenkarte, kein Termin.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Nummer | 030 / 340 60 66 - 02 |
| Erreichbarkeit | Mo–Do 8–18 Uhr, Fr 8–12 Uhr |
| Kosten | Kostenfrei aus dem deutschen Festnetz |
| Anmeldung | Keine — direkt anrufen |
| Themen | Pflegegrad, Pflegeleistungen, Antragsverfahren, allgemeine Rechtsfragen SGB XI |
| Träger | Bundesministerium für Gesundheit (BMG) |
Das Bürgertelefon beantwortet allgemeine Fragen — es kann keine kassenseitige Einzelfallbearbeitung durchführen. Für kassenspezifische Auskünfte (z. B. Bearbeitungsstand eines Antrags) ist die eigene Pflegekasse zuständig.
Tipp: Die Nummer des Bürgertelefons ist für viele Angehörige der schnellste Einstieg ins Pflegesystem — besonders wenn noch kein Pflegegrad beantragt wurde und unklar ist, was als Nächstes zu tun ist.
Video-Beratung bei den Krankenkassen
Die meisten gesetzlichen Kassen haben nach 2021 Video-Beratung als reguläres Angebot eingeführt. Die Umsetzung variiert.
| Kasse | Video-Beratung | Wartezeit ca. | App nötig |
|---|---|---|---|
| AOK | Ja | 1–2 Wochen | Nein (Browser) |
| TK | Ja | 1–2 Wochen | Nein (Browser) |
| Barmer | Ja | 1–2 Wochen | Nein (Browser) |
| DAK | Ja | 1–3 Wochen | Nein (Browser) |
| IKK | Regional unterschiedlich | 1–3 Wochen | Abhängig von IKK |
| BKK | Abhängig von der BKK | Variiert | Variiert |
Angaben Stand April 2026. Wartezeiten können je nach Auslastung variieren. Technische Voraussetzungen und Buchungsweg direkt bei der eigenen Kasse prüfen.
Für die meisten Video-Beratungen ist keine separate App erforderlich — die Verbindung läuft über einen datenschutzkonformen Browser-Link. Voraussetzung: Kamera und Mikrofon am Laptop, Tablet oder Smartphone.
Den genauen Weg zur Video-Beratung der eigenen Pflegekasse erklärt unser Ratgeber Pflegeberatung — Termin bei der Pflegekasse.
COMPASS Pflegeberatung für Privatversicherte
Privat Krankenversicherte haben über ihre gesetzliche Pflegepflichtversicherung ebenfalls Anspruch auf Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — dieser Anspruch wird über COMPASS abgewickelt.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Hotline | 0800 / 101 88 00 |
| Erreichbarkeit | Mo–Fr 8–18 Uhr |
| Kosten | Kostenfrei |
| Zielgruppe | PKV-Versicherte und deren Angehörige |
| Formate | Telefon, persönliche Beratung, Hausbesuch |
| Träger | Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) |
COMPASS bietet neben der Hotline auf Wunsch auch persönliche Beratung durch einen Pflegeberater in der eigenen Wohnung an — bundesweit. Dieser Service ist besonders dann sinnvoll, wenn das häusliche Umfeld beurteilt werden soll (z. B. für Umbaumaßnahmen oder Hilfsmittel-Auswahl).
Wichtig für PKV-Versicherte: Auch wer eine private Krankenversicherung hat, zahlt in die gesetzliche Pflegepflichtversicherung ein — und hat damit Anspruch auf COMPASS. Die Leistung ist nicht von der Art der PKV abhängig.
Was Online-Beratung NICHT ersetzt
Online-Pflegeberatung spart Zeit und Wege — aber drei Situationen erfordern zwingend Präsenz vor Ort.
MD-Begutachtung (Pflegegrad-Termin)
Der Medizinische Dienst (MD) begutachtet den Pflegebedarf ausschließlich vor Ort — in der Wohnung des Pflegebedürftigen oder in der Pflegeeinrichtung. Diese Begutachtung ist Voraussetzung für jeden Pflegegrad-Bescheid. Eine Online-Begutachtung ist gesetzlich nicht vorgesehen.
Pflicht-Hausbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI
Wer Pflegegeld bezieht, muss regelmäßig Beratungseinsätze nachweisen: ab Pflegegrad 2 alle 6 Monate, ab Pflegegrad 3 alle 3 Monate. Diese Einsätze müssen vor Ort stattfinden — sie können nicht durch Telefon- oder Video-Beratung ersetzt werden.
Hilfsmittel-Anpassung
Wenn ein Rollstuhl, ein Pflegebett oder ein Rollator individuell angepasst werden muss, ist körperliche Präsenz erforderlich. Eine Online-Beratung kann hier informieren, aber nicht den Fachhandel-Termin ersetzen.
Mehr zu Pflichtbesuchen und Pflegegeld erklärt unser Ratgeber Pflegeberatung kostenlos nach § 7a SGB XI.
Vorbereitung für die Online-Beratung
Eine gut vorbereitete Beratung dauert kürzer und bringt mehr. Diese vier Punkte sollten vor dem Termin erledigt sein.
- Versichertenkarte griffbereit: Kassenname und Versichertennummer werden fast immer abgefragt.
- Pflegegrad-Bescheid einscannen oder abfotografieren: Bei Video-Beratung kann er direkt geteilt werden; bei Telefon-Beratung sollten die Datumsangaben und der Pflegegrad parat sein.
- Konkrete Fragen-Liste (5–7 Punkte): Beratungszeit ist begrenzt. Offene, vage Fragen führen zu allgemeinen Antworten. Konkrete Fragen (z. B. "Kann ich Verhinderungspflege rückwirkend beantragen?") führen zu verwertbaren Antworten.
- Notizblock für Antworten: Insbesondere Fristen, Formularnummern und Ansprechpartner sollten schriftlich festgehalten werden.
Wer noch keinen Pflegegrad hat und wissen möchte, ob ein Antrag sinnvoll ist: Das Bürgertelefon des BMG ist dafür der einfachste Einstieg — ohne Voranmeldung, ohne Versichertenkarte.
FAQ — Häufige Fragen zur Online-Pflegeberatung 2026
Ist Pflegeberatung online kostenlos?
Ja. § 7a SGB XI garantiert kostenlosen Anspruch auf Pflegeberatung — unabhängig vom Format. Video, Telefon und Chat bei der Pflegekasse sind kostenfrei. Das Bürgertelefon des BMG (030 / 340 60 66 - 02) und COMPASS (0800 / 101 88 00) sind ebenfalls kostenfrei.
Welche Pflegekassen bieten Video-Beratung an?
AOK, TK, Barmer und DAK bieten Video-Beratung standardmäßig an. Bei IKK und BKK hängt es von der jeweiligen regionalen Kasse ab. Die meisten funktionieren ohne App — nur mit Browser, Kamera und Mikrofon.
Was ist COMPASS Pflegeberatung?
COMPASS ist der Beratungsdienst des PKV-Verbands für privat Versicherte. Hotline: 0800 / 101 88 00, Mo–Fr 8–18 Uhr, kostenfrei. Neben Telefon-Beratung sind persönliche Beratung und Hausbesuche möglich.
Kann die MD-Begutachtung online stattfinden?
Nein. Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst zur Feststellung des Pflegebedarfs findet ausschließlich vor Ort statt — in der Wohnung oder Pflegeeinrichtung. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben und nicht durch Video ersetzbar.
Was brauche ich für eine Video-Pflegeberatung?
Ein Laptop, Tablet oder Smartphone mit Kamera und Mikrofon, stabiles Internet und die Versichertennummer. Bei den meisten Kassen reicht ein aktueller Browser — keine App-Installation nötig. Pflegegrad-Bescheid griffbereit halten.
Zusammenfassung
Online-Pflegeberatung ist kein Notnagel — sie ist für viele Fragen der effizienteste Weg. Das Bürgertelefon des BMG (030 / 340 60 66 - 02) nimmt sofort ab, ohne Termin. Die Video-Beratung der eigenen Pflegekasse ist die richtige Wahl bei komplexeren Fällen. COMPASS (0800 / 101 88 00) ist die Anlaufstelle für alle privat Versicherten. Und wer begleitende Unterstützung über mehrere Monate braucht, findet beim Pflegestützpunkt mit Video-Sprechstunde eine neutrale Alternative.
Was Online nicht ersetzt: die MD-Begutachtung, die Pflicht-Hausbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI und die Anpassung von Hilfsmitteln. Diese drei Fälle erfordern weiterhin Präsenz.
Quellen und Hinweise
- § 7a SGB XI — Pflegeberatung (Anspruch und Umfang)
- § 37 Abs. 3 SGB XI — Beratungseinsätze bei Pflegegeld
- Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums
- COMPASS Pflegeberatung — PKV-Verband
- Bundesministerium für Gesundheit — Ratgeber zur Pflege 2026
Alle Angaben wurden im April 2026 recherchiert und geprüft. Telefonnummern, Erreichbarkeitszeiten und Kassenangebote können sich ändern — direkte Abfrage bei der jeweiligen Stelle empfohlen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Pflegeberatung.
