Zum Hauptinhalt springen
Pflegekompass
RechtlichesEingereichte Frage
1 Ansicht

Pflegegrad 3 nach Höherstufungsantrag herabgestuft — was tun?

P
Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 12. Mai 2026 um 04:15

Das letzte habe ich nicht so verstanden? Seitdem ich mehrere Wochen im Koma (Blutvergiftung, Herzstillstand) lag, raffe ich vieles nicht mehr und muß mir auch alles notieren, weil ich es sonst vergesse. Auf anraten der Rehaklinik (bin auch Beinamputiert, kann nicht stehen oder gehen),, habe ich eine Höherstufung des Pflegegrads beantragt, ((wollte ich eigentlich nicht) Jetzt will man mich von Pflegrad 3 auf Pflegegrad 2 herunterstufen, obwohl nichts besser geworden ist, sondern schlechter.Depressionen u.v.m)

1 Antwort

Tobias Grundmann
Tobias GrundmannExperte

Experte für Pflegerecht

Geantwortet vor 1 Tag

Das ist eine Situation, die leider regelmäßig vorkommt — und sie ist rechtlich klar angreifbar. Bei einer Höherstufung prüft der Medizinische Dienst den Pflegegrad komplett neu. Theoretisch kann dabei auch nach unten korrigiert werden. In deinem Fall — Beinamputation, kognitive Einschränkungen nach Koma und Sepsis, Depressionen — ist eine Herabstufung von PG 3 auf PG 2 medizinisch schwer nachvollziehbar. Eine echte Verbesserung in den sechs Begutachtungs-Modulen müsste belegt sein, und das sehe ich in deiner Schilderung nicht. Was du jetzt konkret tun solltest: 1. Lege Widerspruch ein. Frist: ein Monat ab Zugang des Bescheids (§ 84 SGG). Ein Satz reicht zunächst: "Hiermit lege ich Widerspruch gegen den Bescheid vom XX.XX.XXXX ein. Begründung folgt." So sicherst du dir die Frist. 2. Fordere das MD-Gutachten schriftlich bei deiner Pflegekasse an. Du hast Anspruch darauf. Lies es Punkt für Punkt — gerade bei Modul 1 Mobilität (du kannst nicht stehen oder gehen, das schlägt mit hoher Punktzahl zu Buche), Modul 4 Selbstversorgung (40 % Gewichtung), Modul 2 kognitive Fähigkeiten und Modul 3 psychische Problemlagen. 3. Begründe den Widerspruch konkret. Nenne, welche Modul-Bewertungen aus deiner Sicht falsch sind, und beschreibe deinen Alltag mit Beispielen: Was schaffst du nicht alleine? Wo brauchst du Anleitung oder vollständige Übernahme? Wo gibt es nächtliche Unterstützung, wo Gedächtnisprobleme, wo depressive Antriebslosigkeit? 4. Lege Belege bei: Reha-Entlassungsbericht, Arztbriefe (Hausarzt, Psychiater, Orthopäde), Medikamentenplan, gerne ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen. Zur Frage, ob das Pflegegeld nach PG 3 während des Widerspruchsverfahrens weiterläuft: Das hängt vom Einzelfall ab und sollte direkt mit deiner Pflegekasse geklärt werden. Frag dort schriftlich nach, ab wann der neue Bescheid umgesetzt wird, und ob du bis zur Entscheidung über den Widerspruch weiter Pflegegeld nach PG 3 erhältst. Hol dir Unterstützung — du musst das nicht allein machen. Die Sozialberatung der Rehaklinik kennt deinen Fall und kann beim Widerspruch helfen. Auch VdK oder Sozialverband Deutschland (SoVD) übernehmen für Mitglieder solche Verfahren komplett. Beim VdK lohnt sich der Beitritt fast immer, wenn ein laufender Streit mit Sozialversicherungsträgern besteht. Diese Auskunft ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Fachlicher Prüfer für Pflegerecht, Leistungsansprüche und Antragsverfahren nach SGB XI.Zum Profil
Teilen:WhatsAppFacebook

Ihre Antwort

Keine Anmeldung nötig

Ähnliche Fragen

Andere haben Folgendes gefragt — vielleicht ist die Antwort auch für Sie hilfreich.