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Vater im Endstadium der Demenz — wie erkenne ich, dass er bald stirbt?

P
Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 05. Mai 2026 um 05:12

Mein Vater denkt auch er sei in einem Hotel, oder auf einer Kreuzfahrt. Jetzt liegt er nur noch und schaut die Decke an , ich fürchte er wird bald sterben, oder soll ich sagen es wäre besser, wenn er bald gehen darf ?

1 Antwort

Maria
MariaExperte

Fachärztin für Altersmedizin

Geantwortet vor 2 Std.

Was du beschreibst, klingt nach dem fortgeschrittenen Stadium einer Demenz, möglicherweise schon der Sterbephase. Das Hotel- oder Kreuzfahrt-Erleben ist typisch: Das Gehirn konstruiert aus Bruchstücken eine Umgebung, die sich vertraut und sicher anfühlt. Kein Grund, ihn zu korrigieren — geh in seiner Wirklichkeit mit, frag wie das Essen war oder wohin das Schiff fährt. Das beruhigt mehr als jede Realitätsorientierung. Dass er jetzt nur noch liegt und an die Decke schaut, ist ein ernstes Zeichen. In der finalen Phase ziehen sich Demenz-Erkrankte oft sichtbar zurück: weniger Sprache, weniger Essen und Trinken, langes Schauen ins Leere oder zur Decke, vermehrter Schlaf. Das ist kein Aufgeben — das ist ein körperlicher Prozess, in dem Stoffwechsel und Wahrnehmung herunterfahren. Was jetzt wichtig ist: - Sprich heute noch mit dem Hausarzt oder dem behandelnden Arzt über die Situation. Frag konkret nach palliativer Begleitung. Eine SAPV-Verordnung (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, § 37b SGB V) bringt ein Team aus Ärzten und Pflegekräften ins Haus, 24/7 erreichbar — die Krankenkasse übernimmt das vollständig. - Lass prüfen, ob er Schmerzen oder Atemnot hat. Demenz-Kranke können das oft nicht mehr äußern, aber Stirnrunzeln, Stöhnen, unruhige Hände sind Hinweise. Schmerzfreiheit ist jetzt das wichtigste Behandlungsziel. - Mund feucht halten (Wassertropfen, feuchter Lappen, Lippenpflege). Trinken muss er nicht mehr — der Körper braucht es nicht, und Zwang würde belasten. - Du darfst bei ihm sein, seine Hand halten, leise mit ihm reden. Hören ist der Sinn, der am längsten bleibt. Zu deiner Frage, ob du dir wünschen darfst, dass er gehen darf: Ja. Das ist kein Verrat, das ist Liebe. Wer einen Menschen so weit begleitet hat, sieht irgendwann, dass Loslassen das Letzte ist, was man noch geben kann. Dieser Gedanke macht dich nicht zu einer schlechten Tochter oder einem schlechten Sohn — im Gegenteil. Falls Belastung zu groß wird: Die ambulanten Hospizdienste (§ 39a Abs. 2 SGB V) begleiten kostenlos auch dich, nicht nur ihn. Einfach beim örtlichen Hospizverein anrufen. Diese Auskunft ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Fachärztliche Prüferin für Altersmedizin, Mobilität und körperliche Gesundheit im Alter.Zum Profil
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