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Pflegekompass
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Wozu Pflegeversicherung zahlen, wenn Eigenanteil im Heim trotzdem 3.000 Euro ist?

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Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 03. Mai 2026 um 23:18

Jetzt mal ehrliche Frage: wozu zahlt man eigentlich Pflegeversicherung? Gibt es andere Fälle, wo sie was bringt? Weil in dem Fall stellst sich schon die Frage: Können wir uns das dann nicht gefühlt schenken, denn ob der Selbstanteil bei über 3.000€ (mit) oder dann z.B. bei über 6.000€ (ohne) liegt, ist ja eh egal, wenn sich beides eh nur die wenigsten leisten können.

1 Antwort

Tobias Grundmann
Tobias GrundmannExperte

Experte für Pflegerecht

Geantwortet vor 8 Std.

Die Frustration ist nachvollziehbar — der Eigenanteil im Heim liegt bundesweit im Schnitt tatsächlich bei rund 3.000 Euro im ersten Jahr, trotz Leistungszuschlag. Aber die Pflegeversicherung greift weit über die stationäre Versorgung hinaus. Wo sie konkret etwas bringt: - Häusliche Pflege durch Angehörige: Pflegegeld 347 bis 990 Euro monatlich, steuerfrei und ohne Verwendungsnachweis - Pflegedienst (Sachleistung): bis 2.299 Euro/Monat bei PG 5, übernimmt also den Großteil ambulanter Versorgung - Verhinderungspflege + Kurzzeitpflege: gemeinsames Jahresbudget 3.539 Euro - Entlastungsbetrag: 131 Euro/Monat ab PG 1, für Alltagshilfen - Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: 42 Euro/Monat (Handschuhe, Desinfektion etc.) - Hausnotruf: bis 25,50 Euro/Monat - Wohnumfeld-Zuschuss: bis 4.180 Euro pro Maßnahme (Treppenlift, bodengleiche Dusche) - Rentenbeiträge für pflegende Angehörige übernimmt die Pflegekasse - Pflegeunterstützungsgeld bei Akutfall: bis 10 Tage Lohnersatz pro Jahr Der stationäre Eigenanteil ist tatsächlich die Schwachstelle des Systems — das ist politisch unbestritten. Die Pflegeversicherung wurde 1995 ausdrücklich als Teilkasko-Versicherung konzipiert, nicht als Vollkasko. Das ist die Leerstelle, in die private Pflegezusatzversicherungen (Pflege-Bahr, Pflegetagegeld) hineinzielen. Wer im Heim landet ohne Rücklagen, hat zwei Auffangnetze: Hilfe zur Pflege (Sozialamt) und ggf. Elternunterhalt — der greift seit 2020 erst ab 100.000 Euro Bruttoeinkommen der Kinder. Für die meisten Betroffenen, die zu Hause versorgt werden, ist die Pflegekasse finanziell sehr wohl spürbar. Der Heim-Eigenanteil verzerrt die Wahrnehmung.
Fachlicher Prüfer für Pflegerecht, Leistungsansprüche und Antragsverfahren nach SGB XI.Zum Profil
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