Kurzantwort:Wer regelmäßig außer Haus ist oder unter Demenz leidet, profitiert klar vom mobilen GPS-Notruf. Wer hauptsächlich zuhause lebt, zahlt 10–25 € mehr pro Monat ohne echten Mehrwert. Die Pflegekasse erstattet in beiden Fällen 25,50 €/Monat — GPS bleibt Eigenanteil.
- Pflegekasse zahlt:25,50 €/Monat (Standardgerät) — GPS-Aufpreis nicht abgedeckt
- GPS-Aufpreis:10–25 €/Monat Eigenanteil
- Gesamtkosten mobiler Notruf:35–70 €/Monat
- Geofencing: bei manchen Anbietern — für Demenz besonders wichtig
- Reichweite: deutschlandweit, manche Geräte EU-weit
Mobiler vs. klassischer Hausnotruf — der Unterschied
Der klassische Hausnotruf besteht aus einer Basisstation (stationär in der Wohnung, per Festnetz oder DECT angebunden) und einem kleinen Sender, den man am Handgelenk oder als Anhänger trägt. Drückt man den Knopf, verbindet sich das Gerät über die Basisstation mit der Notrufzentrale.
Das Problem: Sobald man die Wohnung verlässt, reißt die Verbindung ab. Die Funkreichweite beträgt je nach Bauart und Wänden nur 50 bis 100 Meter.
| Merkmal | Klassischer Hausnotruf | Mobiler GPS-Notruf |
|---|---|---|
| Reichweite | 50–100 m (Wohnung) | Deutschlandweit (manche EU-weit) |
| Technik | Basisstation + Funk-Sender | SIM-Karte + GPS-Modul im Sender |
| Standortübermittlung | Bekannte Adresse | GPS-Koordinaten in Echtzeit |
| Monatliche Kosten | 25–35 € | 35–70 € |
| Pflegekasse zahlt | 25,50 € | 25,50 € (nur Grundanteil) |
| Akku-Wechsel nötig | Nein (Basisstation Strom) | Ja — täglich bis wöchentlich |
| Geofencing möglich | Nein | Bei manchen Anbietern: Ja |
Alle Preisangaben Richtwerte. Pflegekassen-Erstattung gilt für Anbieter im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands.
Mehr zu Anbietervergleich und Kassenzuschuss im Ratgeber Hausnotruf Kosten 2026.
Wer braucht mobil — und wer kann beim Standard bleiben?
Klar für mobilen GPS-Notruf geeignet
- Aktiver Alltag außer Haus: Wer regelmäßig spaziert, einkauft, Enkel besucht oder Sport treibt, ist mit mobilem GPS auf der sicheren Seite. Ein Sturz im Park kann genauso lebensbedrohlich sein wie in der Küche.
- Demenz mit Weglauftendenz: GPS-Ortung und Geofencing ermöglichen es Angehörigen und dem Notrufzentrum, den Aufenthaltsort in Echtzeit zu bestimmen. Das kann bei einer Desorientierung lebensrettend sein.
- Reisefreudige Senioren: Bei EU-fähigen Geräten auch im Urlaub nutzbar — vorher beim Anbieter konkret anfragen.
Klassischer Hausnotruf reicht
- Hauptsächlich zuhause:Wer die meiste Zeit in der Wohnung verbringt, zahlt 10–25 € mehr pro Monat für eine Funktion, die selten genutzt wird. Spar das Geld.
- Eingeschränkte Mobilität: Wer ohnehin nicht allein das Haus verlässt (z.B. auf Rollstuhl angewiesen), hat keinen praktischen Nutzen vom GPS-Modul.
Tipp:Unsicher ob aktiv genug für mobilen Notruf? Realistisch den Alltag der letzten drei Wochen betrachten: Wie oft war die Person mehr als 100 Meter von der Wohnung entfernt — und allein? Das ist der entscheidende Maßstab.
Kosten: Was die Pflegekasse zahlt — und was nicht
Die rechtliche Grundlage ist § 40 SGB XI. Der Hausnotruf — klassisch oder mobil — gilt als technisches Pflegehilfsmittel. Die Pflegekasse zahlt einen Festbetrag, unabhängig von der Gerätekategorie.
| Kostenposition | Betrag | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Monatliche Grundgebühr Hausnotruf | 25,50 €/Monat | Pflegekasse (ab PG 1) |
| Anschlussgebühr (einmalig) | 10,49 € | Pflegekasse |
| GPS-Aufpreis mobiler Notruf | 10–25 €/Monat | Selbst (Eigenanteil) |
| Geofencing-Option | 0–10 €/Monat | Selbst (Eigenanteil) |
| Eigenanteil gesamt (mobil) | 10–35 €/Monat | Selbst |
Beispielrechnung
Anbieter X bietet mobilen GPS-Notruf für 49 €/Monat an. Mit Pflegegrad erstattet die Kasse 25,50 € direkt. Es bleiben 23,50 €/Monat Eigenanteil— das sind 282 € im Jahr für die GPS-Funktion.
Günstigere Anbieter (35–40 €/Monat gesamt) können den Eigenanteil auf 9,50–14,50 €/Monat drücken.
Den vollständigen Antragsprozess erklärt der Ratgeber Hausnotruf Zuschuss Pflegekasse 2026.
Anbieter mit mobilen Hausnotruf-Geräten 2026
Nicht alle Anbieter bieten mobilen GPS-Notruf an. Wer wechseln oder neu abschließen möchte, sollte gezielt nach Anbietern mit mobilem Gerät fragen — und dabei drei Punkte klären: Geofencing-Option, Akku-Laufzeit und EU-Abdeckung.
| Anbieter | Reichweite | Akku | Geofencing | Preis gesamt (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| DRK Mobil | DE-weit | 1–2 Tage | Nein | 38–45 €/Mon. |
| Malteser Mobil | DE-weit | 1–2 Tage | Nein | 37–44 €/Mon. |
| Vitakt | DE + EU | 3–5 Tage | Ja | 45–55 €/Mon. |
| Libify | DE + EU | 5–7 Tage | Ja | 49–65 €/Mon. |
| Smartcare | DE-weit | 2–3 Tage | Ja | 40–50 €/Mon. |
Alle Angaben Richtwerte basierend auf öffentlich verfügbaren Tarifinformationen (April 2026). Konditionen können variieren — direkte Anfrage beim Anbieter empfohlen. Pflegekasse erstattet jeweils 25,50 € davon (bei Anbieter im Hilfsmittelverzeichnis).
Den ausführlichen Vergleich aller Anbieter — klassisch und mobil — mit Stärken und Schwächen findest du im Hausnotruf Anbieter Vergleich 2026.
Geofencing: Alarm bei Verlassen des Wohnumfelds
Geofencing (wörtlich: „geografischer Zaun") ist eine GPS-Funktion, bei der ein virtueller Bereich um einen Standort definiert wird — zum Beispiel rund um die Wohnung in einem Radius von 200 Metern. Verlässt das Gerät diesen Bereich, wird automatisch ein Alarm ausgelöst.
Wie Geofencing beim Hausnotruf funktioniert
- Angehörige oder das Notrufzentrum legen den erlaubten Bereich über eine App oder das Kundenportal fest
- Verlässt die Person den definierten Bereich, erhalten hinterlegte Kontakte (und/oder das Notrufzentrum) automatisch eine Benachrichtigung
- Der aktuelle GPS-Standort wird übermittelt — Angehörige oder Hilfskräfte können gezielt helfen
Für wen Geofencing wichtig ist
Besonders für Menschen mit Demenz im mittleren Stadium, die noch mobil sind aber sich räumlich desorientieren können. Geofencing ersetzt keine Begleitung, bietet aber eine wichtige Sicherheitsnetz-Funktion für Momente, in denen die Person unbemerkt das Haus verlässt.
Wichtig: Nicht alle Anbieter, die GPS-Notruf anbieten, haben auch Geofencing. Das ist eine separate Funktion — im Vertrag oder im Angebot explizit danach fragen. Mehr zum Thema Hausnotruf bei Demenz erklärt der Ratgeber Hausnotruf bei Demenz (folgt demnächst).
Hausnotruf-Smartwatches als Alternative
Smartwatches wie Apple Watch (ab Series 4) oder Samsung Galaxy Watch haben eingebaute Sturzerkennung und können automatisch den Notruf (112) wählen. Klingt ähnlich — ist aber grundlegend anders.
Was Smartwatches können
- Sturzerkennung mit automatischem Notruf an 112
- GPS-Standort übermitteln
- Benachrichtigung an gespeicherte Notfallkontakte
- Herzfrequenz-Monitoring
Was Smartwatches nicht können
- Kein 24/7-Notrufzentrum: Der Alarm geht an Kontakte in der Kontaktliste — nicht an eine professionelle Leitstelle, die rund um die Uhr besetzt ist und koordinieren kann
- Kein Versorgungsvertrag mit Pflegekasse:Die Pflegekasse erstattet 25,50 € nur für anerkannte Hausnotruf-Geräte, nicht für Smartwatches
- Akku: Täglich laden nötig — vergisst man das, ist kein Schutz da
- Bedienung: Für ältere Menschen oft komplexer als ein dedizierter Notrufknopf
| Kriterium | Mobiler Hausnotruf | Smartwatch |
|---|---|---|
| Notrufzentrale 24/7 | Ja | Nein (nur Kontakte) |
| Pflegekassen-Erstattung | 25,50 €/Mon. | Keine |
| Sturzerkennung | Bei manchen Anbietern | Ja (automatisch) |
| Akku | 1–7 Tage | Täglich laden |
| Monatliche Kosten | 35–70 € (mit Erstattung 10–45 €) | 0–15 € (ggf. Datentarif) |
| Bedienung | Ein Knopf | Touch-Display, App |
Fazit: Für technikaffine Senioren mit aktivem Umfeld können Smartwatches eine sinnvolle Ergänzung sein. Als Ersatz für einen professionellen Hausnotruf mit 24/7-Leitstelle taugen sie nicht — insbesondere wenn die Person alleinlebt oder Demenz hat.
FAQ — Häufige Fragen zum mobilen Hausnotruf mit GPS 2026
Was kostet ein mobiler Hausnotruf mit GPS monatlich?
35 bis 70 € gesamt. Die Pflegekasse erstattet ab Pflegegrad 1 maximal 25,50 € (Hausnotruf-Grundanteil). Der GPS-Aufpreis von 10–25 € ist Eigenanteil.
Zahlt die Pflegekasse den mobilen GPS-Notruf?
Teilweise. Die Kasse zahlt 25,50 €/Monat für den Hausnotruf — egal ob klassisch oder mobil. Das GPS-Mehrkosten-Aufpreis wird nicht erstattet. Voraussetzung: Pflegegrad 1–5, alleinlebend oder Notrufbedarf.
Was ist Geofencing und wer braucht es?
Geofencing löst automatisch einen Alarm aus, wenn die Person einen definierten Bereich verlässt. Hauptsächlich für Menschen mit Demenz und Weglauftendenz relevant. Nicht alle Anbieter bieten diese Funktion — beim Vertragsabschluss konkret anfragen.
Wie lange hält der Akku beim mobilen Hausnotruf?
Je nach Gerät 1 bis 7 Tage. Günstigere Geräte (DRK, Malteser) müssen oft täglich geladen werden. Premium-Geräte (Libify) schaffen 5–7 Tage. Regelmäßiges Aufladen muss in den Alltag eingeplant werden — ein entladenes Gerät bietet keinen Schutz.
Funktioniert der mobile Notruf auch im Ausland?
Manche Anbieter bieten EU-weite Abdeckung (z.B. Vitakt, Libify). Viele Geräte funktionieren jedoch nur in Deutschland. Wer reist, muss das vor Vertragsabschluss explizit klären — und prüfen, ob das Notrufzentrum auch für internationale Einsätze koordinieren kann.
Kann eine Smartwatch den Hausnotruf ersetzen?
Nein, nicht vollständig. Smartwatches benachrichtigen nur gespeicherte Kontakte, nicht ein professionelles 24/7-Notrufzentrum. Die Pflegekasse erstattet keine Smartwatch-Kosten. Als Ergänzung für technikaffine Senioren sinnvoll, als Ersatz nicht geeignet.
Zusammenfassung
Mobiler GPS-Notruf macht Sinn für alle, die regelmäßig allein außer Haus sind — und für Menschen mit Demenz, bei denen Geofencing eine zusätzliche Sicherheitsfunktion bietet. Wer hauptsächlich zuhause lebt, zahlt 10–25 €/Monat mehr ohne echten Nutzen.
Die Pflegekasse erstattet unabhängig von der Gerätekategorie 25,50 €/Monat (ab Pflegegrad 1). Den GPS-Aufpreis zahlt man selbst. Beim Vergleich der Anbieter auf drei Punkte achten: Akku-Laufzeit, Geofencing-Option und ob EU-weite Nutzung möglich ist.
Quellen und Hinweise
- § 40 SGB XI — Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
- Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands, Produktgruppe 52 — Notrufsysteme
- § 40 SGB XI — Gesetzestext
- GKV-Spitzenverband — Hilfsmittelverzeichnis
- Bundesministerium für Gesundheit — Pflegeleistungen im Überblick
Alle Angaben wurden im April 2026 recherchiert und geprüft. Anbieterpreise und -konditionen können sich ändern — direkte Anfrage beim jeweiligen Anbieter empfohlen. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung durch Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt.
