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Pflegegeld zu niedrig nach 8 Jahren 24/7-Pflege — was steht pflegenden Angehörigen zu?

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Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 12. Juni 2026 um 04:15

Wie gut kenne ich das leider :( Habe meine beiden Eltern bis zum Tode im eigenen Bett einige Jahre (etwa 8) 24/7 gepflegt. OK, waren noch einigermaßen fit, aber Chemos und den ganzen Mist habe ich halt miterlebt. Hingefahren und dabei gewesen. Da war mein Problem wohl noch klein (im Gegensatz zu schwereren Fällen). Bekomme aber meine Mutter mit der Platzwunde im Bad nach einem Sturz mitten in der Nacht nicht mehr aus dem Kopf. Privatleben, Eigenständigkeit usw. halt völlig verloren. War halt 24/7 da. Bei jedem 'Pieps' war ich hell wach und bereit. Naja, ist jetzt eine diagnostizierte Depression, die trotz Therapie (die bekommt man ja ganz einfach ;) nicht wirklich weg geht. Gab (erst nach Widerspruch als Anwalt) 'üppige' 215 Euro pro Monat! Da fühlt man sich wertgeschätzt!. Nix gegen die PflegerInnen, die das machen, die machen auch für einen Hungerlohn gute Arbeit, aber was habe ich dem Staat für Geld gespart? Für unter 10 Euro pro Tag? 24/7? Und ich habe das auch noch gemacht :( Bin aber trotzdem stolz, daß ich mein Versprechen gehalten habe. Beide im eigenen Bett verstorben, nicht im anonymen Krankenhaus. Dafür bleibt die Frage, ob sich das für die Ersatzkasse wirklich gerechnet hat, daß mein Leben im Eimer ist?!

1 Antwort

Tobias Grundmann
Tobias GrundmannExperte

Experte für Pflegerecht

Geantwortet vor 9 Std.

TITEL: Depression nach jahrelanger Pflege — welche Hilfen gibt es jetzt? ANTWORT: Was du beschreibst, ist genau das, was viele pflegende Angehörige am Ende erleben: ein System, das den Einsatz der Familie rechnerisch voraussetzt, aber finanziell nur einen Bruchteil dessen abbildet, was eine professionelle Versorgung kosten würde. Dass dich das nicht loslässt — die Nacht im Bad, die Dauer-Alarmbereitschaft — ist keine Schwäche, sondern eine bekannte Folge jahrelanger Pflege. Das Risiko für Depression und Erschöpfungserkrankungen bei Hauptpflegepersonen ist klar erhöht, das ist in der Versorgungsforschung gut belegt. Zum sachlichen Teil, damit für andere Mitlesende klar ist, was rechtlich drin gewesen wäre: - Pflegegeld 2026 liegt bei 347 € (PG 2), 599 € (PG 3), 800 € (PG 4) und 990 € (PG 5). Das ist eine Anerkennung, kein Lohn — und genau das ist der Knackpunkt, den du ansprichst. - Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) und Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI) hätten ein gemeinsames Jahresbudget von 3.539 € ergeben — auch stundenweise nutzbar, ohne dass das Pflegegeld gekürzt wird, solange die Ersatzpflege unter 8 Stunden am Tag bleibt. Viele Familien nutzen das nie, weil es niemand erklärt. - Rentenpunkte: Wer mindestens 10 Stunden pro Woche an mindestens 2 Tagen pflegt und nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig ist, bekommt von der Pflegekasse Rentenbeiträge gezahlt (§ 44 SGB XI). Ein Blick in den eigenen Rentenverlauf lohnt sich rückwirkend — das läuft oft im Hintergrund und wird übersehen. - Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit, Familienpflegezeit — alles Instrumente, die im akuten Alltag selten ankommen, weil sie aktiv beantragt werden müssen. Für dich jetzt wichtiger als alles Rückwärtsgewandte: Die diagnostizierte Depression ist eine eigenständige Erkrankung mit Anspruch auf vollständige Behandlung. Wenn die ambulante Therapie nicht greift, ist eine psychosomatische Reha (Antrag über die Rentenversicherung, Formular G0100) oder eine Tagesklinik der nächste Schritt — dort wird genau dieses Muster „Post-Pflege-Erschöpfung" behandelt. Selbsthilfegruppen für ehemalige pflegende Angehörige (etwa über wir-pflegen.net oder die Caritas) helfen vielen, weil dort niemand erklären muss, was es bedeutet, bei jedem Pieps wach zu sein. Du hast dein Versprechen gehalten. Dass dich das etwas gekostet hat, ist real — und es ist nicht zu spät, jetzt für dich selbst zu sorgen.
Fachlicher Prüfer für Pflegerecht, Leistungsansprüche und Antragsverfahren nach SGB XI.Zum Profil
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